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Zum Beschweren be-Recht-igt! – dies gilt für alle Kinder in Kitas und Kinderläden. Denn: Geeignete Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren sind seit 2012 nach dem SGB VIII § 45 Voraussetzung für die Erteilung einer Betriebserlaubnis. Der Projektstrang zu Beschwerdeverfahren befasst sich mit der Frage, wie diese diskriminierungssensibel gestaltet werden können.

Beschwerdeverfahren sind nicht allein gesetzliche Vorgaben und Verpflichtungen, die eingehalten werden müssen.

Beschwerdeverfahren sind auch maßgeblich für die Qualität pädagogischer Arbeit:

Wenn Kinder sich beschweren, geben sie pädagogischen Fachkräften wertvolle Rückmeldungen. Wird auf sie eingegangen, können sie das Selbstbewusstsein der Kinder durch Selbstwirksamkeitserfahrungen stärken. Beschwerdeverfahren tragen zudem zum Schutz vor sexualisierter Gewalt und anderen Formen gewaltvoller Übergriffe bei.


Junge Kinder und Diskriminierung

Die praktische Verankerung von Beschwerdeverfahren in Einrichtungen frühkindlicher Bildung steht vielerorts noch am Anfang. Was dabei auffällt: Diskriminierung als Gewaltausübung und Form des Machtmissbrauchs wird bislang weder konzeptionell noch praktisch als wichtiger Aspekt des Kinderschutzes gesehen.

Dabei beeinflussen Diskriminierungen im jungen Lebensalter die Identitätsentwicklung von Kindern und stellen ein immenses Hindernis für Wohlbefinden und Lernen dar. Diskriminierung und explizit auch alltägliche Diskriminierungserfahrungen gefährden das Wohl von jungen Menschen nachhaltig.

 

Kitas und Kinderläden stehen nicht außerhalb von gesellschaftlichen Machtverhältnissen; auch hier machen Kinder Erfahrungen mit abwertenden Ideologien wie Adultismus , Rassismus , Heteronormativität , Klassismus , Ableismus und anderen Herrschaftsverhältnissen.

Diskriminierungssensible Beschwerdeverfahren und eine entsprechende Alltagskultur unterstützen alle Kinder darin, ihre Rechte zu kennen und sich für sie einzusetzen.


Fragen an diskriminierungssensible Beschwerdeverfahren

Aber wie genau können solche Beschwerdeverfahren für Kinder in Kitas und Kinderläden umgesetzt werden? Wie müssen sie gestaltet sein, um Diskriminierungserfahrungen der Kinder als Gewalterfahrungen ernst zu nehmen? Wie können dabei auch unbeabsichtigte und unbewusste Formen von Diskriminierung erkannt und zur Sprache gebracht werden?

 
 

Wie können auch jene Kinder unterstützt werden, die ihre Beschwerden nicht verbal äußern? Wie kann insbesondere Adultismus, das Machtungleichgewicht zwischen Erwachsenen und Kindern, bei der Entwicklung und Umsetzung von Beschwerdeverfahren systematisch mitgedacht werden?

Mit diesen Fragen setzen wir uns im Rahmen des Projektstrangs zur Entwicklung von Beschwerdeverfahren an Kitas auseinander. Mehr dazu unter „Wie wir arbeiten“

Zusammenarbeit mit 4 Modellkitas

Den Schwerpunkt in der Entwicklung und Umsetzung diskriminierungssensibler Beschwerdeverfahren in Kitas und Kinderläden bildet die Zusammenarbeit mit 4 Modellkitas.

Über einen Zeitraum von knapp zwei Jahren begleiten wir die 4 Einrichtungen mit ihren Teams, den Kindern und ihren Bezugspersonen. Unser Angebot umfasst pro Einrichtung 5 Fortbildungstage, die Begleitung von Teamsitzungen, Praxisbesuche im Kita-Alltag, die Dokumentation von und Beratung zu einzelnen Situationen und Prozessen.

Unsere Prozessbegleitung hat grundsätzlich eine diskriminierungs- und somit auch adultismuskritische Perspektive. Sie unterstützt die pädagogischen Fachkräfte bei der

 

  1. Selbstreflexion
  2. Reflexion der pädagogischen Praxis
  3. Ausbildung von Kenntnissen und Fachkompetenzen, die befähigen, Diskriminierungen zu erkennen und zu adressieren sowie Kinder zu ermutigen, Beschwerden als aktiven Teil von Beteiligung zu nutzen
  4. Entwicklung und Implementierung von diskriminierungssensiblen Beschwerdeverfahren in Zusammenarbeit mit den Kindern
  5. Evaluation der Verfahren

Einbeziehung zusätzlicher Perspektiven von diskriminierungserfahrenen Personen

Menschen, die Diskriminierung erfahren und diese Erfahrungen reflektieren, haben wertvolles Wissen und berechtigte Ansprüche an ein diskriminierungssensibles Beschwerdeverfahren.

Wir wollen die Vielfalt ihrer Perspektiven anhand von vielen einzelnen Praxisbeispielen und Ansprüchen einbeziehen.

Dazu möchten wir mit selbstorganisierten Gruppen von Menschen zusammenarbeiten. Mit ihrer Unterstützung wird die Perspektive von diskriminierungserfahrenen Kindern und ihren Eltern/Bezugspersonen in die Prozessbegleitung der Kitas einfließen und die Entwicklung der Beschwerdeverfahren wesentlich beeinflussen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Modellkitas sollen Jugendämtern, Kita-Trägern, der Fachöffentlichkeit und Interessierten zur Verfügung gestellt werden. Hierzu wird es unter anderem zum Abschluss des Projekts im Sommer 2019 einen Fachtag geben. Auch eine Veröffentlichung ist in Planung.

Damit wird eine Lücke geschlossen – denn während es bisher wenig Fachliteratur zu Beschwerdeverfahren in Kitas gibt, gibt es keine, die in diesem Zusammenhang explizit Antidiskriminierung als aktiven Kinderschutz begreift.

Kita Tietzer Strolche, TÄKS e.V.
Tietzstraße 12, 13509 Berlin-Wittenau
www.taeks.de/kinder/einrichtungen/tietzer-strolche/

Kinderladen Leierkasten e.V.
Muskauer Str. 43, 10997 Berlin-Kreuzberg
https://kinderladenleierkasten.com

Kita Neue Steinmetzstr., INA.KINDER.GARTEN Berlin
Neue Steinmetzstraße 1, 10827 Berlin-Schöneberg
www.inakindergarten.de/kitas/neue_steinmetzstrasse.php

Kita Reichenberger Str. 92, Kindergärten City
Reichenberger Str.92, 10999 Berlin-Kreuzberg
www.kindergaerten-city.de/reichenberger-str-92

"KiDs aktuell - Beschweren erleichtern! Für diskriminierungssensible Beschwerdeverfahren in der Kita"

(1/2019)

Kinder beschweren sich auf vielfältige Weise – beispielsweise durch Schreien, Beißen, Bescheid sagen, Weggucken, Weggehen, Bauchschmerzen kriegen. Erwachsene entscheiden im alltäglichen Umgang, auf welche Beschwerde sie wie eingehen. Wie kann ein Beschwerdeverfahren dazu beitragen, diese Abhängigkeit der Kinder zu reduzieren? Wie können Verfahren gestaltet werden, damit sie für möglichst viele Kinder und ihre Themen geeignet sind? Wie müssen sie sein, um Diskriminierungserfahrungen als Gewalterfahrungen der Kinder ernst zu nehmen?